Club 27 - oder wie klingt der Himmel

Zusatzvorstellung aufgrund des großen Erfolges...

So heißt es im Circus, wenn ein Gastspiel verlängert wird. Nach "ausverkauften" Zelt im September erreichten uns Wünsche, diesen Gottesdiernst doch auch in Loccum zu halten. Und diesem Wunsch kommen wir doch gerne nach. Nando Rodriguez Circusmusiker des Pigletcircus und mittlerweile kein Unbekannter für die Stammgäste der Kulturgottesdienste, spielt Lieder aus dem Club 27. Der Club 27 ist einer der großen Mythen des Rock´n Roll. Auffallend viele der großen Rockmusiker sind mit 27 Jahren gestorben und es heißt, im Himmel sitzen sie jetzt zusammen und machen Musik.

Wenn sie also wissen möchten, wie es sich im Himmel anhört, dann seien Sie herzlich willkommen im Zelt des Pigletcircus (dessen "normale" Vorstellungen wir Ihnen nur wärmstens an Herz legen möchten - weiter Infos unter www.pigletcircus.com) am Dienstag, den 16.November um 19.30 Uhr, Schützenplatz Loccum (Mindener Str. Ecke Am Galgenberg; 31547 Rehburg-Loccum).

Es ist die Woche vor Totensonntag und so wird dieser Kulturgottesdienst auch ein Totengedenken für die verstorbenen Circusangehörigen des letzten Jahres. Denn Circusleute werden beerdigt, wo sie gestorben sind und dann zieht der Circus weiter. Abgekündigt im letzten Gottesdienst des Kirchenjahres werden sie deshalb nicht. Wir möchten in diesem Jahr diese Lücke schließen und die Namen des reisenden Volkes gedenkend erinnern.

 

 

 


Papa - Ein Kulturgottesdienst

Teil 2 des Doppelgottesdienstes.

Nach dem Kulturgottesdienste über Mütter im Oktober wenden wir uns nun den Vätern zu. Und anders als zu den Müttern gibt es zu den Vätern sehr viel mehr Bibelstellen. Im neuen Testament jedoch ist es zumeist Gott als Vater Jesu. Und dann gibt es ja noch Josef. Nur erfahren wir kaum etwas von ihm, obwohl uns diese Figur viel weiter helfen würde, unseren eigenen Vater, bzw. unser eigenes Vater-Sein besser zu verstehen. 

 

Die biblischen Lücken füllt - wie schon im Müttergottesdienst - der Osnabrücker Sänger Daniel Durst mit Liedern über Väter, von den fantastischen Vier über Peter Alexander bis hin zu den Temptations. Von den Ton Steine Scherben, Cat Stevens und Peter Gabriel. Sie alle zeigen ihren eigenen Blick auf Väter und helfen dabei, den Blick auf die biblischen und auch auf unsere eigenen Väter zu schärfen.

 

 

 

 

 

 

 


Für den Dezember sollte3 es was mit Josef werden. Daraus wurde dann die Idee zu einem Kulturgottesdienst über Väter. Daniel Durst, Sänger und begnadeter Entertainer, sagte den künstlerischen Beitrag zu - unter einer Bedingung: Dann aber auch einen über Mütter. Und so wird im Oktober Daniel Durst sie unterhalten und zum Nachdenken bringen mit Liedern über Mütter. Und selbstverständlich wird auch dieses eine Lied dabei sein, dass von allen als erstes genannt wurde. Vergesellt durch den Zusatz: "Aber das geht doch nicht in einer Kirche...". Doch es geht! Und wenn sie jetzt nicht sicher wissen, welches Lied das ist, dann bleibt ihnen wohl oder übel nichts anderes übrig, als am 9. Oktober die Martin-Luther-Kirche zu Hoya zu betreten.


Körperlichkeit und Identität

Manchmal braucht es absurde Wege um was vom Himmel zu erfahren. Im Juli geht es um Mord und Totschlag und um abgehackte Hände...

Wir zeigen den Stummfilm "Orlacs Hände" mit einer Live-begleitung durch Nando Rodriguez, mit Gitarre, Klavier, Hang, Percussion und sogar einem chemischen Harmonium, betrieben durch Gasexplosionen.

 

Der Predigt liegt der Examensarbeit "Körperlichkeit und Identität" zugrunde. Das hiervon nur ein Ausschnitt des Themenfeldes in den Gottesdienst einfließen konnte, haben sie die Möglichkeit, diese Arbeit hier nachzulesen:

 

Download: Körperlichkeit und Identität

 

 

 


Klassische Musik... das hatten wir schon lange nicht mehr bei den Kulturgottesdiensten. Aber wenigstens sind wir damit ein Jahr zu spät. Im letzten Jahr jährte sich der Geburtstag des Komponisten zum 250. mal und die Pandemie machte uns einen Strich durch die Rechnung. Musikalischer Schwerpunkt werden die Klaviersonaten sein und die Frage, ob man die Gleichnisse Jesu nicht auch aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten kann.

Zu Gast wird Jens Niemann, Pianist und Dozent an der Landesmusikakademie NRW, sein.

Fühlen Sie sich herzlich eingeladen am 19.6.2021 in die Martin-Luther-Kirche zu Hoya.

 

 

 

Es geht wieder los

Das Volk liebt den Verrat, aber nicht den Verräter.

Ob jemand ein Verräter ist, oder aber ein Held, das wird erst im Nachhinein entschieden. Im Fall des Staufenbergattentates auf Hitler dauerte es Jahrzehnte, bis in Deutschland überhaupt die Frage gestellt wurde, ob das vielleicht gar keine Vaterlandsverräter gewesen sein könnten, sondern vielmehr Helden. Der biblische König David kämpfte auf Seiten der Philister gegen sein eigenes Volk. Aber da er später König wurde, stellten ihn die Geschichtsschreiber in ein rosiges Licht. Jesu Sterben am Kreuz für unsere Sünden – die zentrale Heilstat des Christentums wäre ohne den Verrat des Judas nicht geschehen.

 

Nach der langen Zwangspause starten wir am Pfingstsamstag wieder mit den Kulturgottesdiensten. Eigentlich hätte dieser schon in der Passsionszeit stattfinden sollen, aber ausfallen lassen wollten wir ihn auch nicht. Freuen Sie sich auf Nando Rodriguez und Sarah Schwarz, die am Pfingstsamstag Lieder von Marlene Dietrich präsentieren.

Dietrich, gefeierter Filmstar der Weimarer Republik, verließ nach der Machtübernahme der Nazis Deutschland Richtung Amerika. Im zweiten Weltkrieg unterstützte Sie die amerikanischen Truppen mit ihrer Kunst. Auch wenn die Schuld der Nazis nach 1945 anerkannt wurde, haftete der Dietrich immer der Makel einer Verräterin an.

Verrat, Schuld und Loyalität werden die Themen dieses Abends sein.

 

Bitte haben Sie Verständnis, dass die Zahl der Plätze in unserer Kirche coronabedingt begrenzt sind. Auch wenn es für Gottesdienste nicht verpflichtend ist, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie vorab freiwillig die Angebote der Testzentren in Anspruch nehmen. Was man gegen die Ausbreitung dieses Virus tun kann, sollte man tun, denn wenn wir ein Ziel mit den Kulturgottesdiensten haben, dann ist es, Glauben und Vernunft Hand in Hand gehen zu lassen. Vielen Dank an alle, die diese Unannehmlichkeit freiwillig auf sich nehmen.

 

 

 


Corona


Ein Brief in die Quarantäne zum Volkstrauertag

Volkstrauertag,

Zehn Personen. Mehr durften es dieses Jahr nicht sein bei der Kranzniederlegung am Volkstrauertag in Hoya. Was hatte ich mich gesperrt im Vikariat, als ich diesen Gottesdienst übernehmen sollte. Mittlerweile ist es ein Sonntag, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Die Zusammenarbeit mit den säkularen Verbänden und die sehr bunte Mixtur an Besuchern dieses Gottesdienstes eröffnen viele Möglichkeitender Gestaltung.

Falls sie dieses Jahr coronabedingt zu Hause geblieben sind, können sie die Predigt nachlesen. Vielen Dank an dieser Stelle an Thies Asendorf, der im Gottesdienst das Lied "Es ist an der Zeit" von Hannes Wader intonierte. Sie können es im Original auf Youtube finden: https://www.youtube.com/watch?v=sYnxLSwQSeI   

Ihnen eine gute Woche,
Ihr Florian Schwarz

Predigt
 

„Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage,

der so ruhig und still war, dass an der ganzen Front
sich der Heeresbericht nur auf den Satz beschränkte,
im Westen sei nichts Neues zu melden.“

 

 


Dies ist der letzte Satz in dem Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque.
 
Ein erschreckendes Buch. Es beschreibt den Weg eines jungen Mannes im 1. Weltkrieg.
Wobei „Weg“ vielleicht ein irreführender Begriff ist. Denn eigentlich passiert nichts in dem Roman, nichts, was eine Geschichte voranbringt. Es ist eine nüchterne Beschreibung des Kriegsalltages. Und die Berichte von Schlachten und Kämpfen, vom Hungern und Frieren, vom Sterben der Freunde,  - all das verändert nichts. Es ist egal, ob diese oder jene Schlacht beschrieben wird und es ist bedeutungslos, ob es zwei der Freunde sind, die im Feld verbluten oder ob es der Bericht ist, dass hunderte den letzten Vorstoß nicht überlebt hat.
 
Paul Bäumler stolpert durch diese Jahre. Hin und her geworfen wie eine Feder im Wind, unfähig an der Situation etwas zu ändern. Er richtet sich ein im Unvermeidlichen. Er lernt, Geschosse am Geräusch zu erkennen, Ein Lazarettaufenthalt, weil er Giftgas eingeatmet hat, wird, trotz der Beschreibung verreckender Kameraden, als beinah idyllisch gezeichnet. Und genauso banal endet der Roman. Nachdem wir als Leser hunderte von Seiten lang Paul Bäumer durch den Horror des Ersten Weltkrieges begleitet haben, endet der Roman. Kein Happy End. Keine Rückkehr. Sondern nur:
 

„Er fiel im Oktober 1918,
an einem Tage, der so ruhig und still war,
dass an der ganzen Front
sich der Heeresbericht nur auf den Satz beschränkte,

 im Westen sei nichts Neues zu melden.“

 
In dieser Woche vor 102 Jahren endete der Erste Weltkrieg, mit dem Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens von Compiègne zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich.
 
Im Westen Nichts Neues gehört für mich zu einem der brutalsten und verstörendsten Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe. Diese Sinnlosigkeit, die Hinnahme der Situation als unveränderbar, als quasi gottgegeben ist es, was mich so erschreckt.
Paul Bäumler ist kein Held. Weder ist er ein Kriegsheld noch ist er ein Held im Sinne des Mythos, denn im Mythos zeichnet der Held sich dadurch aus, dass er sein Leben und seine Welt verändert.
Paul Bäumler aber ist hineingeworfen in eine Welt des Schreckens. Und dieser Schrecken wird beschrieben.
Nur an einer Stelle wird von einer Veränderung gesprochen. Als Paul auf Heimaturlaub ist und dort feststellen muss, dass er ein Fremder geworden ist in seiner eigenen Heimat. Dass er nach seinen Erlebnissen an der Front keinen Platz mehr hat zwischen seiner Familie. Dass er keine Worte hat, um das zu beschreiben was ihm widerfahren ist.
 
Als ich mit 18 Jahren die Aufforderung zur Musterung bekam, da musste ich nicht lange überlegen. Nee, zur Bundeswehr gehst du nicht. Ich will ehrlich sein: Pazifismus war nicht der Grund für eine Verweigerung. Zumindest nicht an erster Stelle. Ich war einfach nicht bereit, mich mehr als ein Jahr meines Lebens zu langweilen. So überflüssig erschien mir die Bundeswehr in den 90er Jahren.
Damals gab es keine Auslandseinsätze. Die Bündnispflicht in der Nato umging man mit Geldzahlungen.
Krieg war zu dieser Zeit für mich eine bloße Theorie, etwas, dass entweder vor langer Zeit war oder ganz weit weg. Warum sollte ich denn durch den Schlamm robben, warum mich vom Spieß anbrüllen lassen warum sollte ich den lernen zu töten. Krieg war für mich regelrecht undenkbar und die Beschreibung von der Bundeswehrzeit von ehemaligen, älteren Mitschülern bekam war: Biertrinken und Langweilen.
Dafür war mir meine Zeit zu schade. Angst vor dem Krieg war es jedenfalls ganz sicher nicht. Krieg war nicht denkbar.
 
Als ich das letzte Mal am hannoverschen Flughafern war, da war die Wartehalle voll von Bundeswehrsoldaten. Aber nichts ist in meiner Art der Wahrnehmung geblieben. Die jugendliche Arroganz gegenüber den Bundis war weg. Ich stand da am Ende der Rolltreppe und fragte mich, wie viele von diesen jungen Männern nicht zurückkommen werden. Der Krieg und die Geschichte von Paul Bäumler ist keine Theorie mehr für mich, kein „das ist schon lange her“ und auch kein „das ist ganz weit weg und betrifft mich nicht“.
 
Als ich mit meinen Kollegen vor kurzem auf einer Klausur im Kloster Drübbek war, da teilten wir uns den Speisesaal mit einer Gruppe Familien. Bundeswehrangehörige oder ehemalige Bundeswehrangehörige die einen Auslandseinsatz mit einem posttraumatischen Belastungsymptom bezahlen. Und diese Erkrankung, die überhaupt erst seit kurzem als eine Krankheit anerkannt ist, die befällt nicht allein denjenigen, der die Schrecken und die Angst in Afghanistan oder in Mali am eigenen Leib erfahren hat, die ganze Familie hat darunter zu leiden.

 "Papa ist nicht so zurückgekommen, wie er weggefahren is"t.


Wir haben eben die Melodie gehört von „Wer nur den lieben Gott lässt walten.
Auf den ausgelegten Zetteln finden sie den Text, wie er für das Soldatengesangbuch aus dem Jahr 1914 umgedichtet wurde:
"O Gott ein furchtbar Kriegeswetter..." (Vollständiger Text im Anschluß)
 
Im gleichen Jahr, in dem der kaiserlichen Hofprediger und geistlichen Vizepräsidenten des Evangelischem Oberkirchenrates Ernst von Dryander folgende Worte predigte:
 

Gott hat mit seinem gewaltigem Hammerschlag auf einmal alles Große bloßgelegt,
vor dem wir selbst staundend stehen, die eiserne Pflichttreue bis zum letzten Atemzug,
den Ernst der Opferkraft, vor denen Feigheit und Weichlichkeit beschämt sich verstecken.

Dieser Gott hat mit zündendem Strahl die Schätze gehoben…
als besten und edelsten den wiedererwachten Glauben an den lebendeigen Gott
und den Ernst mit dem unser Volk seine Heiligtümer und sein Gebetskämmerlein wieder aufsucht.

 
Der Kamerad, der den Verwundeten aus der Feuerlinie trägt, der andere,
der ohne zu zucken zum Sturm ansetzt,
sie wissen, dass sie dem Freunde, dass sie dem Vaterlande das Leben schulden.
Uns, die wir hier sind, gilt das in gleichem Maße.

 
Nur der erfüllt seine Aufgabe ganz, der diese Schuld als eine von Gott ihm auferlegte empfindet
und darum um Gottes Willen als guter Haushalter der ihm anvertrauten Gnade Gottes entschlossen ist, tropfenweise im Dienst der Liebe und des Vaterlandes sein Leben zu opfern.

 
Im gleichen Jahr in dem in den Evangelischen Kirchen zu diesem Gebet aufgefordert wurde:
 

Heiliger und barmherziger Gott,
erzeige uns deine Gnade und hilf uns.
 
Schwere Wetter steigen auf, Kriegsgeschrei ist rings um uns her.
Deine Gnade sei unser Trost, dein Friede unsere Kampfesrüstung.
Sei eine feurige Mauer um unser Vaterland her und erzeige dich herrlich darinnen.
 
Du bist der König von Alters her, der alle Hilfe tut.
Darum, wenn sich schon ein Heer wider uns leget, fürchtet sich dennoch unser Herz nicht.
Deine Rechte behält den Sieg, du König der Heerscharen.

 
Deinem allmächtigen Schutz befehlen wir uns alle,
unser ganzes deutsches Vaterland und seine Fürsten und Völker,

insbesondere den Kaiser, unseren König und sein Haus.
Laß deine Güte ihn und sein Volk und Land allewege behüten.

Ziehe aus in deiner Kraft mit den Heeren unseres Königs und seiner Verbündeten.
 
Sei du der Oberste im Kriegsrat.
Die Augen mach helle, den Rat weise und das Herz mutig.

Stärke du unseren Streitern den Arm zum Sieg über die Feinde.
Gedenke unserer Söhne, Gatten, Väter, Brüder und Freunde.
Mache sie opferwillig für unser liebes Vaterland, treu im Gehorsam,
willig in der Vollbringung ihrer Pflichten, mutig und getrost im Kampfe.

Auch gegen den Feind lass sie sich erweisen als Christen,
dass sie ohne Not niemandem Gewalt tun.
Sei du unseren Lieben nahe und schütze sie in Gefahr und Not.

 
Wächst die Not, so mache die Liebe brenndender,
dass sie rastlos einhergehe und den Verwundeten und Kranken Pflege bringe,
den Hungernden und Armen Obdach und Speise.

 
Knüpfe durch die Trübsal neue Liebesbande,
führe uns durch Kampf und Sieg zu neuen Siegen deines Reiches
und lass über unserem Vaterlande einen Frieden aufgehen, der deines Namen Ehre ist.

Herr Gott sei uns gnädig,
erbarme dich über uns
und erhöre unser Gebet um Jesu Christi willen.

 
 
Unsere Kirche hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Wir haben eingestimmt in den Chor der Hurrapatriotisten, wir haben zur Opferwilligkeit aufgerufen, von Vollbringung der Pflicht gegenüber dem Vaterland schwadroniert. Wir haben Kanonen gesegnet. Und die Predigten aus jenen Jahren lassen mich heute würgen.
Und vor hundertundzwei  Jahren, als der Krieg vorbei war, waren wir auf einmal ganz still. Unser staatstragendes und kriegsverlängerndes Verhalten als religiöse Institution haben wir nie aufgearbeitet. Und als ich vor sechs Jahren eine größere Veranstaltung zu Hundert Jahren Kriegsbeginn durchführte, bin ich auf massiven innerkirchlichen Widerstand gestoßen. Das Wort Nestbeschmutzer wurde nicht in den Mund genommen, aber dieses Wort fasst einige Wortmeldungen zur damaligen Veranstaltung ganz gut zusammen.
Als Margot Käßmann, unsere frühere Bischöfin den Satz aussprach: „Nichts ist gut in Afghanistan“ und als sie nicht mehr von einem Auslandseinsatz sprach, sondern von Krieg, da war das für mich eine Erleichterung. Stolz war ich auf unsere Bischöfin, dass sie getraut hat, das kirchliche Schweigen zu durchbrechen.
 
Frau Kässmann ist nicht mehr unsere Bischöfin. Und nur wenige Jahre später musste ich dann eine Wortmeldung aus dem Hannoverschen Landeskirchenamt lesen. Der geistliche Vizepräsidenten des Landeskirchenamtes in Hannover Arend de Vries sagte: .

"Bewaffnete Interventionen lösten keine Konflikte.
Wenn dies aber bedeute, dass Menschen verfolgt, vertrieben und ermordet würden,
gerät die Kirche in ein ethisches Dilemma.
Sie mache sich an der "Idee vom gerechten Frieden" schuldig:
Darum mein pragmatisches, aber eben auch schuldbelastetes Ja zu einem Militäreinsatz",

 
Soweit dieser hochrangige evangelischer Theologe.
 

Liebe Gemeinde,
meine Aufgabe als Pastor ist eine andere. Ihre Aufgabe als Christen ist eine andere.
Unsere gemeinsame Aufgabe liegt darin Christus nachzufolgen. Und wenn es um die Frage von Krieg und Frieden geht, dann haben wir Worte, nach denen wir uns zu richten haben:
 

Ihr habt gehört, daß gesagt ist: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
 Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel.
Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.
Ihr habt gehört, daß gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen.
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
 

Das ist das, was aus unseren Mündern kommen sollte.
Und wir müssen uns damit abfinden, dass uns dann der Vorwurf der Weltfremdheit gemacht werden wird.
 
Nichts ist gut in Afghanistan – 12 Jahre ist es her, dass Margot Käßmann diesen Satz gesagt hat. Und seitdem ist es nur noch schlimmer geworden. Schlimmer in Afghanistan und schlimmer bei uns, die wir diesen Krieg, in dem auch Deutsche Soldaten sterben, kaum noch wahrnehmen.
 

„Er fiel im Oktober 1918,
an einem Tage, der so ruhig und still war,
dass an der ganzen Front sich der Heeresbericht
nur auf den Satz beschränkte,
im Westen sei nichts Neues zu melden.“

 
Ich habe ihnen in der Begrüßung gesagt, dass wir in diesem Gottesdienst der Frage nachgehen werden, ob wir dazugelernt haben seit dem ersten Weltkrieg.
Die Antwort ist erschreckend deutlich:

Nein. Wir haben noch lange nicht genug gelernt.

 
Und der Frieden Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen
 

Lied: O Gott ein furchtbar Kriegeswetter
(nach der Melodie: Wer nur den lieben Gott lässt walten)

O Gott, ein furchtbar Kriegeswetter
Zieht über unser Haupt daher;
Doch bist du unser Schutz und Retter,
so schreckt uns keines Feindes Heer,
wie sehr es auch Gefahr und Not
den Völkern und den Ländern droht.
 
O gib in diesen bangen Tagen
Uns, Herr den Sinn, auf dich zu sehn,
und da, wo andre trostlos zagen,
mit Zuversicht zu dir zu flehn,
weil nie doch Menschenhilfe nützt,
wenn deine Rechte uns nicht schützt.
 
Was hilft der Feinde große Menge?
Was hilft der Riesen große Macht?
Der Ross und Wagen stark Gedränge
Ist´s nicht, was Sieg und Heil verschafft.
Der Mensch vertraut darauf zwar gern,
doch kommt der Sieg allein vom Herrn.
 
Drum fallen wir in deine Arme,
o Vater der Barmherzigkeit,
und flehen voll Vertrau´n: erbarme
dich über uns zur schweren Zeit!
Beschütze gnädig Stadt und Land
Vor Blutvergießen und vor Brand!
 
Zuletzt wird jeder sagen müssen:
Das hat Gott, unser Herr getan!
Gerecht ist er in seinen Schlüssen;
Ihn bete dankbar alles an!
Er hilft und er errettet gern.
Lobsinget ihm und preist den Herrn.