9. Kulturgottesdienst
Deine Brüste sind wie zwei Kitze der Gazelle die in den Lilien weiden
am 18. Juli 2009
Als die Gelehrten entschieden, welche Schriften zur Bibel gehören sollten, herrschte eine in der Kirchengeschichte seltene Einigkeit. Nur bei einem Buch des Alten Testamentes waren die Gelehrten sich nicht sicher, ob es in den Kanon der heiligen Bücher aufgenommen werden sollte: Dem Hohelied der Liebe. Das Hohelied ist eine Sammlung – wenn auch profaner, so doch wunderschöner – Liebeslieder. Jahrhundertelang wurden die sinnlichen Wechselgesänge zwischen zwei Liebenden allegorisch auf die Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel, bzw. der Kirche ausgelegt. Erst mit der modernen Theologie wurde das Hohelied wieder als eine weltliche, erotische Textart gedeutet. Leider endete damit auch das wissenschaftliche und kirchliche Interesse an diesem Text.
Für das Team der Kulturgottesdienste fing das Interesse da erst an. Wir wollten mit diesem zeigen, dass sinnliche Literatur und Verkündigung durchaus im Einklang stehen können. Musikalisch wurde der Kulturgottesdienst untermalt durch die Klänge des Tangoduos Rocko Bonez.
Es wurde auch eine schöne Predigt über das Hohelied der Liebe geschrieben. Aber gehalten wurde sie nicht. Fünf Minuten vor
Beginn des Gottesdienstes waren sich alle Beteiligten einig, dass wir den Gottesdienst ohne Predigt halten sollten. Eine gute Entscheidung. Die Gottesdienstbesucher waren nämlich in der Lage die
sinnlichen Texte als Verkündigung anzunehmen, deutende Worte hätten nur den Genuss gestört.
"Ich sag meinem Mann ja immer,
dass es sich lohnt in die Kirche
zu gehen. Heute konnte ich
es ihm beweisen!"
- Das schönste Kompliment,
das wir für unsere Arbeit
bekommen haben
